Das Podium der EVP zum Thema «Integrative Schule wohin?» im Glockenhof Ende November war gut besucht, vor allem betroffene Eltern und Fachkräfte aus dem schulischen Umfeld nahmen rege an der Veranstaltung teil. Die Ziele der integrativen Schule sind gross. Alle sollen gemeinsam lernen. Doch die Praxis zeigt, dass das schwierig ist und die Lehrkräfte an ihre Grenzen kommen. Was bräuchte es für ein besseres Gelingen für alle Beteiligten?
Die integrative Schule ist eine wichtige und berechtigte Errungenschaft. Niemand darf ausgegrenzt, alle sollen beteiligt und integriert werden. Diese Haltung der Inklusion teilt die EVP. Bei der Umsetzung des berechtigten Anliegens ist die Bilanz jedoch durchzogen. Viele Lehrpersonen sind am Anschlag mit dieser Herkulesaufgabe. Teils fehlt es an heilpädagogisch ausgebildeten Fachkräften, teils sind die Klassen mit über 25 Kindern einfach zu gross und teils werden die Klassen so zusammengesetzt, dass überdurchschnittlich viele Kinder mit besonderen Bedürfnissen zusammenkommen, sodass die Integrationsleistung kaum mehr greift. Podiumsteilnehmer und langjähriger Schulleiter Matthias Jordi weist darauf hin, dass der Zusammensetzung der Klassen mehr Gewicht gegeben werden müsste, sodass die Klassen ausgeglichener und entsprechend einfacher zu führen wären. Diese Ansicht teilt seine Schulleiterkollegin Yasmine Bourgeois, die darauf hinweist, dass es heute bei Problemen zum Beispiel bei sehr grossen Lernschwächen oder bei stark den Unterricht störendem Verhalten keine Instrumente gäbe, um die Situation zu lösen. Solche Kinder werden heute einfach herumgeschoben, in andere Klassen oder Schulhäuser versetzt, doch das Grundproblem, dass sie mehr Betreuung und mehr Förderung bräuchten, wird nicht gelöst. Sie weist auf die von der FDP lancierte Initiative, welche die Einführung von Förderklassen fordert, um das integrative System zu stützen. Diesem Anliegen widerspricht Daniel Burri, dessen Sohn mit Downsyndrom seine ganze Schulzeit in der Volksschule verbrachte und sehr viel davon profitiert habe. Förderklassen führen automatisch wieder zur Separation, wandte eine Fachkraft aus dem Publikum ein. Die heute praktizierten Lerninseln, könnten eine durchlässigere Alternative sein. Diese Lerninseln müssten jedoch von der Regierung offiziell eingesetzt und entsprechend mit den nötigen Mitteln alimentiert werden. Der Koordinationsaufwand bliebe jedoch weiterhin beträchtlich und das Herumschieben von Kindern kann auch mit den Lerninseln nicht gelöst werden, gibt Yasmine Bourgeois zu bedenken. Eine Alternative wäre die freie Schulwahl. Privatschulen könnten die Volksschule entlasten, weil sie teils persönlicher und individueller auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen könnten. Da sich aber nicht alle Eltern eine Privatschule leisten können, müssten Bildungsgutscheine und die freie Schulwahl eingeführt werden. Die Podiumsdiskussion zeigt, dass das Thema enttabuisiert und sachlich nach guten griffigen Lösungen gesucht werden muss. Die Schule soll ihren zweifachen Auftrag des Lernens, aber auch der sozialen Integration zu gleichen Teilen nachkommen können, damit wir auch in Zukunft ein hervorragendes Bildungssystem haben, das allen gerecht wird.
Claudia Rabelbauer, alt Gemeinderätin EVP